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Home Sonderthemen Gesundheit Ablationstherapie von Herzrhythmusstörungen
15:55 15.06.2018
Elektroanatomisches dreidimensionales Mapping der rechten Herzkammer mit Darstellung des Zielpunktes für die Ablation (rot). FOTOS: UKSH

Unter Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien) versteht man eine häufig zu schnelle und unregelmäßige Abfolge des Herzschlags, welche oft als Herzrasen und Herzstolpern wahrgenommen werden. Patienten mit Herzrhythmusstörungen haben häufig eine enorme physische und psychische Belastung, welche mit Ängsten, Sorgen und Zweifeln verbunden sind. Manchmal werden allerdings kurz andauernde oder gelegentliche Herzrhythmusstörungen von einigen Betroffenen gar nicht wahrgenommen – andere klagen über Ohnmacht, Schwindel, Atemnot oder Brustschmerz.

In der Abteilung für Elektrophysiologie und Rhythmologie, Campus Kiel, werden alle Herzrhythmusstörungen – unabhängig ob der Ursprungsort die Herzvorhöfe oder die Herzkammern sind – diagnostiziert und behandelt. „Hierbei ist die minimalinvasive Katheterablation ein besonders wirksames Verfahren um unkoordinierte elektrische Impulse – dem Ursprung von Herzrhythmusstörungen, welche den normalen Herzrhythmus stören – durch eine gezielte Verödungstherapie dieser Bereiche zu inaktivieren“, erläutert Prof. Bonnemeier, Leiter der Abteilung für Elektrophysiologie und Rhythmologie und stellv. Klinikdirektor der Kardiologie am Campus Kiel.

Bei der Verödungstherapie (ablation, lat., entfernen) werden so gezielt die Auslöser für Herzrhythmusstörungen inaktiviert, welche zuvor in gleicher Sitzung durch eine Elektrophysiologische Untersuchung (EPU) identifiziert worden sind.

Prof. Bonnemeier während einer Katheterablationsprozedur im Elektrophysiologischen Labor am Campus Kiel.
Prof. Bonnemeier während einer Katheterablationsprozedur im Elektrophysiologischen Labor am Campus Kiel.

Die Katheterablation stellt für die Mehrzahl der betroffenen Patienten mit Herzrhythmusstörungen eine gute und etablierte Alternative zur medikamentösen Therapie dar und ein größerer Teil der Patienten kann in der Folge auf eine dauerhafte Einnahme von Medikamenten verzichten. Bei Erfolgsraten zwischen 70 und 95 Prozent (je nach zugrundeliegender Herzrhythmusstörung) ist die Ablationstherapie in spezialisierten Zentren bei einer Vielzahl von Herzrhythmusstörungen in den letzten Jahren zum Therapiestandard geworden. Bei einigen Herzrhythmusstörungen wie Herzrasen über den AV-Knoten (AV-Knoten-Reentrytachykardie), Herzrasen durch eine zusätzliche Verbindung/ Kurzschluss zwischen Vorhöfen und Kammern (WPW-Syndrom) und typischem Vorhofflattern ist die Katheterablation bereits Therapie der ersten Wahl. Bei vielen Patienten mit Herzrhythmusstörungen aus den Herzkammern und bei Patienten mit Vorhofflimmern ist die Katheterablation eine vielversprechende alternative Therapieoption, wenn der Erfolg einer medikamentösen Therapie ausbleibt.

Das elektrophysiologische Labor am Campus Kiel ist mit modernster Technik ausgestattet. Hier kann durch den Einsatz von dreidimensionalen Mappingverfahren eine besonders schonende und effektive Ablationstherapie ermöglicht werden, da hierdurch die Röntgenbelastung für den Patienten auf ein Minimum reduziert werden kann. Die Verödungstherapie wird nach zugrundeliegender Arrhythmie und Anatomie des Herzens mittels Radiofrequenzablation (ein hochfrequenter Wechselstrom erzeugt einen lokalen Temperaturanstieg) oder durch Kryoablationstherapie (Kryos, altgr., Eis) durchgeführt.

„Es gibt hunderte verschiedener Herzrhythmusstörungen“, erklärt Prof. Bonnemeier, „deshalb sollte eine entsprechende Abklärung durch Spezialisten erfolgen. Neben angeborenen Arrhythmien können auch organische Ursachen wie z.B. Herzkranzgefäßverkalkung, Herzmuskelerkrankung und Herzklappenfehler zu Grunde liegen. Es ist entscheidend, dass die Herzrhythmusstörung identifiziert wird, da einige Arrhythmien auch mit einer schlechten Prognose oder sogar einer Lebensgefahr einhergehen. Anschließend können mein Team und ich die Herzrhythmusstörung gezielt behandeln – unter anderem mittels einer Katheterablation.“

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