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01:05 18.12.2021
Alena Boßhammer und Marion Karstens (v.l.n.r.) planen eine weitere Zusammenarbeit. FOTO: KIELER STADTKLOSTER

Immer wieder kommen Angehörige an ihre Grenzen im Umgang mit ihren an Demenz erkrankten Ehepartnern oder Eltern. Die Abendveranstaltung richtete sich an betroffene Angehörige des Betreuten Wohnens und Angehörige der Tagespflege des Kurt-Engert-Hauses, einer Einrichtung der Stiftung Kieler Stadtkloster.

Die Alzheimer Gesellschaft Kiel möchte die Selbsthilfefähigkeit für Menschen mit Demenz und deren Angehörige stärken und die Krankheitsbewältigung verbessern.

So unterstütze Marion Karstens, die Vorsitzende der Kieler Alzheimer Gesellschaft, am 30. November die Arbeit der Tagespflege des Kurt-Engert-Hauses in Kiel Holtenau mit einem interessanten Informationsabend.

Eine grundlegende Erkenntnis aller Teilnehmer*innen war, dass es das Wichtigste ist, sich besser in die Lebenswelt der Menschen mit Demenz hineinzuversetzen, diese zu respektieren und nicht zu korrigieren. Marion Karstens erzählte aus eigener Erfahrung eine Geschichte, bei der eine demenziell erkrankte Frau auf eine Geburtstagsfeier eingeladen war und glaubte, ihr eigener Geburtstag werde gefeiert. Sie kam als letzte und wurde von allen Gästen freudig begrüßt. Eigentlich feierte ihre Tochter den 50. Geburtstag, und die erkrankte Mutter war ein lieber Gast. Alle anderen Gäste ließen die Mutter in dem Glauben, sie befinde sich auf ihrer eigenen Geburtstagsfeier. So hatte die Mutter viel Spaß und freute sich über so viel Aufmerksamkeit, obwohl sie zunächst nicht zu dem Fest wollte und über Magenbeschwerden klagte. Diese waren bei all der Aufmerksamkeit dann einfach verschwunden. Im vorgetragenen Beispiel hat die Mutter in ihrer eignen Welt ein grandioses Fest erlebt, obwohl sie eigentlich gar nicht hatte kommen wollen. Insbesondere die Tochter musste hier Größe zeigen. Bestimmt wünschte sie sich auch einen Glückwunsch zum Geburtstag von ihrer Mutter. Sie und ihre Gäste haben die Situation mit Humor genommen und entspannt mit einer zufriedenen Mutter feiern können.

Mit zahlreichen weiteren Beispielen über einen hilfreichen und liebevollen Umgang mit den betroffenen Menschen vermittelte Marion Karstens den Besucher*innen des Abends ein tieferes Verständnis über das Krankheitsbild Demenz. Es wurde dabei deutlich, wie anspruchsvoll es ist, einen einfühlsamen Weg im Umgang mit den demenziell veränderten Menschen zu finden und sich auf ihre eigene Welt einzulassen Wenn es aber gelingt, kann das Zusammensein auch Freude machen.

Die Profis der Abendveranstaltung erkannten, wie schwer es für die Angehörigen der Betroffenen ist, die eigene Welt der an Demenz erkrankten Menschen zu respektieren und nicht zu korrigieren. Was in der professionellen Betreuung einer Tagespflege selbstverständlich ist, muss in der Familie erst gelernt werden. Für eine weitere Zusammenarbeit mit der Alzheimer Gesellschaft Kiel engagiert sich Alena Boßhammer, Teamleitung der Tagespflege Kurt-Engert-Haus, weitere Gesprächstermine und Informationsveranstaltungen sollen folgen.