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10:56 10.03.2021
Etwa vier von zehn Erwachsenen haben Angst vor Spritzen. Oft steht dabei die Furcht vor Schmerzen im Mittelpunkt. FOTO: DJD/WWW.PAEDIA.DE/DMITRY NAUMOV/SHUTTERSTOCK

Erst Herzrasen und Schwitzen, dann Blutdruckabfall, Blässe, Übelkeit oder sogar Ohnmacht: Kaum zu glauben, dass eine harmlose Spritze derart schwere Symptome verursachen kann. Dabei handelt es sich allerdings nicht um direkte Nebenwirkungen von Blutabnahmen, Impfungen und Co., vielmehr sind dies Folgen der panischen Angst vor dem Einstich und damit verbundenen Schmerzen. Schätzungen zufolge leiden 38 Prozent der Erwachsenen unter Impfangst, jeder fünfte davon sogar unter einer schweren Nadelphobie. Das kann gravierende gesundheitliche Folgen haben. So haben Patienten mit Spritzenangst laut Studien eine höhere Krankheitslast und Sterblichkeit, weil sie Untersuchungen und Behandlungen vermeiden.

Angst vor Schmerzen steht im Mittelpunkt

Der übergroßen Angst vor den kleinen Nadeln liegt dabei Untersuchungen zufolge vor allem die Furcht vor einem starken Schmerzempfinden zugrunde. Diese entsteht oft durch schlechte Erfahrungen in der Kindheit – bei den üblichen Impfterminen, Blutabnahmen oder bei Krankenhausaufenthalten mit Spritzen und Kanülen. Denn Kinder können Schmerzen noch nicht so gut verarbeiten und verstehen auch nicht, warum ihnen wehgetan wird und welchen Nutzen das hat. Die frühen Schmerzerfahrungen können sich dann langfristig auf das Angstgedächtnis auswirken und sich bei Erwachsenen in einer Nadelphobie manifestieren.

Häufig kann deshalb schon eine wirksame Schmerzprävention für Entspannung sorgen. Denn allein das Wissen, dass die Spritze nicht wehtun wird, wirkt beruhigend. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt deshalb unter anderem eine lokale Betäubung der Einstichstelle. Besonders geeignet ist dabei eine Kombination der Wirkstoffe Lidocain und Prilocain, die etwa in manchen Schmerzpflastern enthalten ist. Diese Pflaster werden einfach eine Stunde vor der Injektion auf die Haut geklebt und sollen dafür sorgen, dass der gefürchtete Piks kaum noch zu spüren ist.

Nadelangst früh vorbeugen

Die lokale Betäubung mittels Pflaster kann bereits ab der Geburt genutzt werden, damit sich die Angst vor Spritzen gar nicht erst entwickelt. Weitere Möglichkeiten, trotz einer Nadelphobie nicht auf Impfungen und Behandlungen verzichten zu müssen, sind zum Beispiel beruhigende Atem- und Ablenkungstechniken. Betroffene Patienten sollten den behandelnden Arzt auf ihre Problematik ansprechen. In schweren Fällen kann auch eine Verhaltenstherapie angezeigt sein, mit der sich Phobien oft gut lindern lassen. djd