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17:21 21.09.2021
Das Haus Dänischer Wohld ist eine Fachpflegeeinrichtung für Menschen mit geronto-psychiatrischen Erkrankungen in Osdorf bei Gettorf. FOTO: VMN

Angehörige von Menschen mit (geronto)-psychiatrischen Erkrankungen erleben oft, dass nicht beteiligte Dritte vermeintlich gut gemeinte Ratschläge erteilen, die sofort ein schlechtes Gewissen bei ihnen auslösen. Sätze wie: „Der oder die kann seinen Angehörigen nicht zu Hause versorgen, das sollte er aber besser tun.“ oder „Nun kann er oder sie endlich andere Menschen treffen, das gehört sich nicht.“ hören Angehörige leider immer wieder.

Egal ob Menschen jung oder alt sind, psychiatrische Erkrankungen sind immer noch mit einem Stigma behaftet. Die Erkrankungen machen Angst, und was Angst macht, das gibt es nicht. „So schlimm wird es schon nicht sein.“ Wer kann die Situationen, in den sich die Betroffenen und deren Angehörige befinden, schon einschätzen? Viel zu sehr nehmen „Be“-Wertungen im Laufe der Erkrankung Raum ein. Raum, der nicht gegeben werden sollte.

Selbst in Einrichtungen wie Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Arztpraxen, etc. wird tagtäglich „be“- wertet. Ein Praxisbeispiel dazu: In o.g. Institutionen finden meist Übergaben zwischen den jeweiligen Schichten statt. Nicht selten wird dann das Verhalten der zu versorgenden Menschen festgelegt. Patient XY ist ziemlich distanzlos – so war der ganz bestimmt immer schon. Oder, Patientin Z. ist so niedlich. Fast automatisch übernehmen alle am Prozess beteiligten Personen diese Wertungen. Nur haben diese im professionellen Bereich nichts zu suchen. Und sie verunsichern die Angehörigen zusätzlich – gerade, wenn sie den schweren Schritt gewagt haben, sich Hilfe gesucht zu haben.

In unserer Einrichtung wollen wir den Angehörigen diesen Druck gerne nehmen. Wir hören ihnen zu, nehmen ihre Sorgen und Ängste wahr und stehen ihnen zur Seite. Viele der Angehörige haben ihre Liebsten bis zur Selbstaufopferung gepflegt, haben sich selbst und ihre Bedürfnisse vergessen. Sie haben es sich nicht leicht gemacht, die Betroffenen loszulassen. Mit der Entscheidung, den Liebsten in eine Einrichtung zu geben, beginnt auch für die Angehörigen ein neuer Lebensabschnitt. Durch die kräftezehrende Pflege liegen oft die Nerven blank. Das macht vielen Angehörigen zu schaffen, auch, dass viele nicht wissen, wie am besten mit den Betroffenen kommuniziert werden kann.

Wir stärken den Angehörigen in Einzelgesprächen, in den Selbsthilfegruppen immer wieder den Rücken und zeigen ihnen, wie auch in dieser besonderen Lebensphase schöne Momente das Leben bereichern können. Kleine gemeinsame Glücksmomente schaffen und erleben und im wahrsten Sinne des Wortes gute Momente als solche zu erkennen, dabei sind viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Angehörigen da.

„Darf ich denn auch an mich denken, wenn es meinem Liebsten schlecht geht?“ Damit irgendwann solche Fragen kaum noch gestellt werden, dafür arbeiten wir gerne mit den Angehörigen. Denn nur, wenn es ihnen gut geht, haben sie die Kraft, für ihre Angehörigen da zu sein und sie zu unterstützen. Und trotzdem, bei aller Fürsorge für den oder die Erkrankten: Auch Angehörige habe ein Recht auf ein eigenes Leben.