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06:51 15.11.2018
Der 6K Klinikverbund beschäftigt rund 12.000 Mitarbeiter für die Versorgung von jährlich 160 000 stationären und 260 000 ambulanten Patientinnen und Patienten. Foto: Andrey Popov
6K KlinikVerbund Schleswig-Holstein
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„Große Ziele erreicht man am besten gemeinsam“, so lautet das Motto des 6K Klinikverbundes Schleswig-Holstein. In dieser bislang einzigartigen Kooperation von Krankenhäusern in Norddeutschland engagieren sich sechs große Gesundheitsversorger für die Menschen in der jeweiligen Region, um eine hochwertige, verlässliche und bürgernahe medizinische und pflegerische Versorgung anzubieten. Die Vorteile dieser Zusammenarbeit werden zum Wohle der einzelnen Kliniken genutzt. Dabei bleibt auch die wirtschaftliche Entwicklung der einzelnen Standorte immer im Blick. Letzteres ist angesichts der gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen nicht einfach. Dennoch konnten im Laufe dieser Zusammenarbeit viele Erfolge erzielt werden.

Auch für die anderen Akteure im Gesundheitswesen in Schleswig-Holstein ist der Klinikverbund ein wichtiger und verlässlicher Partner. Mit innovativen Konzepten ist er Impulsgeber für die Gesundheitsversorgung in Schleswig-Holstein und dort mit fast 12.000 Beschäftigten und 1.300 Ausbildungsplätzen an den einzelnen Standorten einer der größten Arbeitgeber. Dies bedeutet Verantwortung für Menschen, die die Versorgung der Patienten in diesen Häusern kompetent und engagiert leisten.

Mit attraktiven Ausbildungskonzepten, gemeinsamen Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen, die klinikübergreifend angeboten werden, können Synergien, Wissen und Kompetenzen dieser Kooperation für die Mitarbeiter genutzt werden. Dieser Themenkomplex war auch Schwerpunkt der diesjährigen Klausurtagung des Verbundes am 8./9. November in Timmendorfer Strand.

In Aus-, Fort- und Weiterbildung investieren – Beispiele aus dem Klinikverbund:

Die Westküstenkliniken investieren in die Ausbildung von Pflegefachkräften und haben ihr Bildungszentrum erweitert. Für 3,2 Millionen Euro entstand auf dem Klinikgelände ein 1500 Quadratmeter großer Anbau, der neben Klassenräumen auch Büros umfasst. Damit stehen in Heide ab sofort mehr als 7000 Quadratmeter an Schulungsräumen, Büros und Klassenzimmern für die Ausbildung von Fachkräften in der Pflege, aber auch in anderen dringend benötigten Berufen wie Radiologieassistenten zur Verfügung.

Die zweite Erweiterung des Bildungszentrums nach 2003 war notwendig, weil die Zahlen der Auszubildenden im Bereich der Gesundheits- und Krankenpflege sowie der Medizinisch-Technischen Radiologieassistenz seit Jahren steigen. Die Landesregierung hat daher die Erweiterung des Zentrums mit 2,2 Millionen Euro gefördert und auch zusätzliche Ausbildungsstellen bewilligt. Seit 2018 bietet die Schule für Gesundheits- und Krankenpflege sowie die Dr. Gillmeister-Schule insgesamt 246 Ausbildungsplätze an.

Maßnahmen gegen Fachkräftemangel – Bewerberprozess optimieren

Die Einrichtungen im Gesundheitswesen müssen sich in Eigenverantwortung überlegen, wie sie das vorhandene Fachpersonal auf dem Markt zielgerichtet für sich interessieren können. Das RehaCentrum Hamburg beschäftigt sich intensiv mit der zielgerichteten Personalgewinnung anhand von innovativen und zeitgemäßen Ansätzen:

Für eine kosteneffizientere Bewerberansprache schaltet das RehaCentrum Hamburg unter anderem bezahlte Facebook-Anzeigen mit einer zielgruppenspezifischen Aussteuerung, je nach Stellenprofil. Der gezielte Aufbau von organischer Facebook-Reichweite über die eigene Fan-Seite führt zu einer mittelfristigen Kostensenkung bei den realisierten Klickpreisen auf Facebook. Um im nächsten Schritt die über Facebook generierten Seitenbesucher schneller zu einer Handlung zu konvertieren, setzt das RehaCentrum auf Chat-Tools, aber auch einen Ansprachekanal via WhatsApp. Alle Maßnahmen dienen dazu die internen Reaktionszeiten bei Personalvakanzen zu beschleunigen und das bessere „Abschöpfen“ von interessierten Bewerbern. Neue Interessenten für die Pflegeausbildung gewinnen - Ausbildung in Teilzeit.

Auch was die Ausbildung in den Gesundheitsberufen betrifft, wird es immer schwieriger qualifizierte Interessenten zu gewinnen. Um neue Zielgruppen anzusprechen – entstand am Städtischen Krankenhaus Kiel die Idee der Teilzeitausbildung. Väter, Mütter, Alleinerziehende, Wiedereinsteiger(innen) und Menschen, die aufgrund familiärer Pflege von Angehörigen zu Hause stark eingebunden sind, gehören zu dieser Zielgruppe. Im Oktober ist der erste Teilzeit-Ausbildungsgang Gesundheits- und Krankenpflege in Kiel gestartet. Mit der Ausbildung in Teilzeit wird die Chance geboten, neben der Familienverantwortung erfolgreich eine berufliche Ausbildung zu absolvieren.

Die Ausbildungszeit erstreckt sich über vier Jahre. Dabei werden die Schul- und Dienstzeiten den Bedürfnissen der Auszubildenden angenähert. Die Arbeitszeit beträgt 30 Stunden pro Woche bei einer 5-Tage-Woche, somit ergibt sich eine tägliche Arbeitszeit von 6 Std., in der Regel von 8:00 bis 14:00 Uhr. Der theoretische Unterricht findet vormittags statt. Die Urlaubszeiten werden vor dem Hintergrund der schleswig-holsteinischen Ferienzeiten organisiert.

Wesentliche Herausforderung bleibt für die meisten Teilnehmenden die Kinderbetreuung. Hier braucht es ein Umfeld, das die Auszubildenden bestmöglich unterstützt – wie u.a. der Betriebskindergarten des Städtischen Krankenhauses.

Eine weitere Möglichkeit den Pflegekräftemangel beherrschbar zu machen, ist der Einsatz von Pflegekräften aus dem Ausland. Abschlüsse von Pflegenden aus Nicht-EU-Ländern werden in Deutschland aber nicht anerkannt. Das Anerkennungsgesetz kennt drei Wege die Anerkennung eines Abschlusses zu erlangen. Am häufigsten werden die Kenntnisprüfung und die Anpassungsqualifizierung gewählt. Leider sind für beide Verfahren in Schleswig- Holstein viel zu wenige Kapazitäten vorhanden. Die imland Pflegeschule Rendsburg und Eckernförde nimmt seit 2015 an einem vom BAMF und EU-geförderten (ESF) Projekt teil und hat bis heute 16 Teilnehmerinnen und Teilnehmern zur Anerkennung ihres Abschlusses über das Verfahren der Anpassungsqualifizierung verholfen. Dabei reichte die Dauer der vom Landesamt für soziale Dienste festgesetzten Zeiten von 3 Monaten bis zu 1,5 Jahren.

Pflegekräfte aus nicht EU-Ländern müssen entsprechend qualifiziert werden

Die Erfahrung zeigt, dass eine individuelle Planung der Anpassungsqualifizierung für jede Teilnehmerin / jeden Teilnehmer notwendig ist, da die Pflegenden mit sehr unterschiedlichen fachlichen und pflegekulturellen Hintergründen zu uns kommen. Körpernahe Pflege, so wir sie in Deutschland in praktisch leben, unterscheidet sich oftmals erheblich von den Tätigkeitsprofilen in den Herkunftsländern. Die sehr gründliche Einarbeitung in die Praxis, die durch fallorientierten theoretische und praktischen Unterricht ergänzt wird, ist nach unserem Erachten der Königsweg bei der Anerkennung von im Ausland erworbenen Abschlüssen.

Studiengang für Berufe im Gesundheitswesen startet zum 4. Mal

Anfang September 2018 hat erneut ein Studiengang berufsbegleitend für Berufe im Gesundheitswesen am Friedrich-Ebertrankenhaus (FEK) in Neumünster begonnen. Schon 2009 - damals noch im 6K-Verbund - hatte das FEK maßgeblich dazu beigetragen, dass in Schleswig-Holstein der erste Studiengang im Bereich Pflege angeboten werden kann. Seitdem haben rund 40 Teilnehmer einen qualifizierten Hochschulabschluss erhalten.

In den letzten Jahren wurde der Studiengang und dessen Inhalte in Kooperation mit der Steinbeis Business Academy weiterentwickelt und kann nunmehr in den 3 Fachrichtungen Pflegemanagement, Gesundheits- und Sozialmanagement sowie Case Management angeboten werden. Unter dem Slogan „3 Standorte – ein Ziel“ können Studierende wohnortnah in Neumünster, Lübeck und Hamburg den Abschluss Bachelor of Arts in Healthcare Services erwerben.

Resilienz – Widerstandskraft gegen Bellastungen im Arbeitalltag

Belastungen am Arbeitsplatz gehören für Pflege- und medizinisches Personal zum Arbeitsalltag. Den Umgang damit griff ein Workshop zum Thema Resilienz auf – ein Thema, das im Klinikum Itzehoe aktiv bearbeitet wird. „Mit Resilienz bezeichnet man die Widerstandsfähigkeit gegen Belastungen, aber es ist mehr“, erklärt Prof. Dr. Arno Deister, Chefarzt des Zentrums für Psychosoziale Medizin. Es gehe nicht nur um das Aushalten, sondern „um das Stärken und Nutzen persönlicher Ressourcen und Fähigkeiten, um herausfordernde Situationen zu bewältigen und die Arbeitsfähigkeit langfristig zu erhalten.“ Damit werde ein aktueller Ansatz aus der Psychotherapie aufgegriffen: „Der Blick geht weg von dem, was jemand nicht kann, hin zu dem, was er besonders gut kann.“

Die Umsetzung erfolgt im Klinikum Itzehoe durch die Ausbildung von Resilienztrainern in einem Projekt, das vom Europäischen Sozialfonds gefördert wird. Inhalte sind unter anderem Übungen zur Selbstwahrnehmung und Tipps für mehr Gelassenheit. Michaela Haack, Führungskraft im Bereich Pflege, berichtete: „Angedacht ist, dass die Trainer präventiv mit der Belegschaft arbeiten, um einer psychischen Überlastung entgegenzuwirken.“

Über den 6K Verbund:

Im 6K Verbund haben sich das Friedrich-Ebert-Krankenhaus Neumünster, die Imland-Kliniken in Rendsburg, das Klinikum und Seniorenzentrum Itzehoe, das Klinikum Bad Bramstedt, das Städtische Krankenhaus Kiel und die Westküstenkliniken in Heide und Brunsbüttel zusammengeschlossen. Zusammen beschäftigen die fünf Schwerpunktkrankenhäuser und eine Fachklinik rund 12.000 Mitarbeiter. Im Jahr werden etwa 160.000 Patienten stationär und 260.000 Patienten ambulant behandelt. Damit ist der 6-K-Verbund einer der größten Klinikverbünde in Norddeutschland.


Dr. Roland Ventzke                        Vorsitzender des 6K Klinikverbundes und Geschäftsführer Städtisches Krankenhaus Kiel Foto: Timo Wilke
Dr. Roland Ventzke                        Vorsitzender des 6K Klinikverbundes und Geschäftsführer Städtisches Krankenhaus Kiel Foto: Timo Wilke

Herr Dr. Ventzke, Sie sind jetzt 4 Jahre Vorsitzender des 6K Klinikverbundes Schleswig-Holstein und für weitere 2 Jahre gewählt. Wo steht der Verbund heute?

Der 6K Klinikverbund ist eine bislang einzigartige Kooperation von Krankenhäusern in Norddeutschland. Unter dem Credo „Große Ziele erreicht man am besten gemeinsam“ versorgen sechs große Krankenhäuser an neun Standorten rund 25% der Schleswig-Holsteinischen Bevölkerung mit medizinischen und pflegerischen Leistungen. Mit knapp 12.000 Mitarbeitern und 1.300 Ausbildungsplätzen stellt der 6K Klinikverbund einen der größten Arbeitgeber in Schleswig-Holstein dar.

Als starker, innovativer und verlässlicher Krankenhausverbund sind wir zu einem wichtigen Partner für die gesundheitspolitischen Akteure in Schleswig-Holstein und Impulsgeber für die Entwicklung in der Versorgung der Bürger Schleswig-Holsteins geworden. Jedes Krankenhaus steht für ein breites Leistungs- und Wissensspektrum. Die gezielte Verknüpfung dieses Know-hows führt zu maximaler Kompetenz, die wir stetig weiter ausbauen.

Wo konkret arbeiten die sechs Kliniken zusammen, d.h. wo ergaben sich Synergieeffekte und wo geht jedes Haus seine eigenen Wege?

Die sechs Kliniken arbeiten auf den verschiedenen Ebenen zusammen. So treten die Kliniken in der Politik geschlossen als 6K Klinikverbund auf und vertreten ihre Interessen gemeinsam gegenüber politischen Akteuren. Weiterhin tauschen sich die Klinken untereinander eng über den Umgang mit neuen Gesetzen, Richtlinien und Verordnungen aus. Messbare Synergieeffekte ergeben sich naturgemäß primär beim Einkauf. Auf Verbundebene beschäftigen wir eine Sachkosten-Controllerin, welche für den Verbund Sachkosten-Benchmarks erstellt, um weitere Potentiale zu heben. Gleichzeitig hat jede Zusammenarbeit ihre natürlichen Grenzen. Denn Patientenversorgung ist eine regionale Aufgabe. Die sechs Kliniken kümmern sich um die Menschen in ihrer Region und arbeiten mit lokalen Akteuren zusammen. Diese Aufgabe übernimmt jede Klinik für sich.

Ein Thema, das die Medien und auch die 6K-Klausurtagung beherrscht, ist der Fachkräftemangel. Welche Konzepte hat der 6K Verbund entwickelt, um dem entgegenzuwirken?

Der Fachkräftemangel, der Deutschland immer stärker heimsucht, macht auch vor unseren Krankenhäusern nicht halt. Allein die zahlenmäßige Stärke der jungen Generation ist weitaus geringer als die der älteren Generation, die ja in absehbarer Zeit einer vermehrten Gesundheitsversorgung bedarf. Es ist in der Zukunft und auch schon heute eine große Herausforderung der Krankenhäuser, für diese anspruchsvolle Aufgabe ausreichend und qualifiziertes Fachpersonal in Medizin, Pflege und Verwaltung zur Verfügung zu haben.

Gerade in einem so komplexen Betrieb wie dem Krankenhaus braucht es zukunftsweisende Konzepte und den Mut, neue Wege zu gehen, um sowohl qualifizierte Mitarbeiter für das Gesundheitswesen zu gewinnen als auch das vorhandene Team nachhaltig an das Krankenhaus zu binden. Eine entscheidende Rolle im Umgang mit der Ressource Personal spielt dabei eine intelligente Gestaltung der Strukturen und Abläufe im Krankenhausalltag.

Die einzelnen Kliniken haben zahlreiche Ideen und Konzepte entwickelt, über die wir uns auf der diesjährigen 6K-Klausurtagung austauschen. So teilen wir unser Wissen und unsere Erfahrungen u.a. zu innovativen Konzepten für die Anwerbung und nachhaltige Integration ausländischer Fachkräfte und zu neuen Wegen im Bewerbungsprozess. Aber auch die Zusammenarbeit der verschiedenen Generationen sowie die attraktivere Gestaltung der Arbeitsplätze für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden thematisiert.

Welche Rolle spielt die Fortbildung im 6K Verbund?

Die Fort- und Weiterbildung ist - wie für andere Branchen auch - insbesondere in Zeiten des Fachkräftemangels von großer Bedeutung. An die Krankenhäuser wird darüber hinaus ein wachsender Katalog an Vorgaben und Anforderungen gestellt, der einen Fokus auf die Qualifikationen der Mitarbeiter legt. Daher ist es umso erfreulicher, dass die gemeinsamen Fort- und Weiterbildungsangebote die Kooperation auszeichnen. So werden beispielsweise gemeinsame Hygieneschulungen sowie vielfältige Programme für Nachwuchs-Führungskräfte angeboten.

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