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Home Sonderthemen Gesundheit Kiel setzt neue Trends in der Roboterassistierten Chirurgie!
09:33 15.07.2019

„Füreinander, miteinander und voneinander lernen“, - unter diesem Motto haben die drei Kongresspräsidenten Prof. Dr. K.-P. Jünemann (Urologie), Prof. Dr. T. Becker (Allgemeinchirurgie) und Prof. Dr. N. Maass (Gynäkologie) das deutschlandweit 1. Interdisziplinäre Symposium für Roboterassistierte und digitale Chirurgie am Kurt-Semm-Zentrum in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Roboter-assistierte Urologie vom 5.-7. Juni 2019 in Kiel ausgerichtet.

Entgegen den üblichen Gepflogenheiten haben sich die chirurgischen Fächer Urologie, Allgemeinchirurgie und Gynäkologie zusammengefunden, um über die Besonderheiten der chirurgischen Herausforderungen ins Gespräch zu kommen. Nicht nur Experten aus dem UKSH, ebenso hochkarätige OP-Teams aus allen Ecken der Republik waren angereist, um ihr Können zu zeigen und zur Diskussion zu stellen. Aus den OP-Sälen des UKSH wurden jeweils bis zu 5 OPs gleichzeitig übertragen, insgesamt waren es 19 Live-OPs mit direkter Schaltung zu den Operateuren und Teams aus allen drei Disziplinen. „Wie eine Konferenz-Live-Übertragung der Bundesligaspiele am Samstagnachmittag!“, bemerkte ein Teilnehmer treffend. Selbst gestandene Chirurgen hatten dabei Aha-Erlebnisse über alternative anatomische Zugangswege, die sie vermutlich bisher kaum in Betracht gezogen hatten. Minimalinvasives Operieren ist das Gebot der Stunde. Ob mit den unendlichen Möglichkeiten der Roboter-assistierten Chirurgie, oder auch mithilfe der konventionellen laparoskopischen Schlüssellochchirurgie: offensichtlich wurde, dass die Zeit der offenen Chirurgie vorbei ist! Wegnehmen, was nicht hingehört und gleichzeitig schonen, was erhalten werden muss, ist die Prämisse aller chirurgisch tätigen Ärzte. Und dass die Weiterentwicklung der minimalinvasiven und digitalen Chirurgie am besten gelingt, wenn die chirurgischen Disziplinen voneinander lernen, zumal wenn sie im gleichen anatomischen Gebiet, wie zum Beispiel im Retroperitoneum unterwegs sind.

Dazu passt es, dass die Anatomie bei diesem Kongress eine Schlüsselrolle spielte. Der Leiter des Anatomischen Instituts, Prof. Dr. T. Wedel, erklärte anhand anatomischer Präparate anschaulich die relevanten anatomischen Strukturen aus Sicht des Chirurgen, des Urologen oder des Gynäkologen. Aber nicht nur die Ärzte haben etwas dazugelernt. 200 Medizinstudenten aus den Kursen der Anatomie von Prof. Wedel saßen am zweiten Tag mit im Saal und konnten erleben, wie die theoretisch vorgestellten und erlernten anatomischen Strukturen in der Praxis, sprich in einer Live-OP aussehen und wie wichtig für den Chirurgen die genaue Orientierung im anatomischen Stadtplan ist. Nicht nur Auswendiglernen, sondern wissen wofür und warum! Auch dies hat das Kieler Symposium gezeigt: Sehen, Hören, Wissen allein reicht nicht: man muss auch bewusst wahrnehmen, Zusammenhänge verstehen und vor allem das Wissen in der Praxis umsetzen können. Das Projekt Chirurgie einmal anders und interdisziplinär anzugehen war ein voller Erfolg!
 

Die motivierte Studentenschar konnte gleich vor Ort ausprobieren, wie faszinierend die digitale roboterassistierte Chirurgie ist: auf dem Kongress konnten sie sich an zwei verschiedenen Simulationssystemen spielerisch erproben und dabei ihre Leistung in Form von Scores miteinander messen. Auch das künftige Training wird, ähnlich wie bei der Pilotenausbildung zunehmend an wirklichkeitsnahen Simulatoren stattfinden, zumal die klinischen Fächer dringend junge Chirurgen und vor allem auch Chirurginnen brauchen, die sich für die neuen roboterassistierten und digitalen OP-Systeme begeistern und dort ihre berufliche Zukunft suchen.

Abgerundet wurde das Symposium durch einen Blick in die Zukunft der Chirurgie: die wichtigsten Player auf dem noch jungen Markt der roboterassistierten und digitalen Chirurgie haben ihre Systeme in der Industrieausstellung und vorne auf dem Podium präsentiert und zur Diskussion gestellt. Das bisher dominierende da Vinci-System der US Firma Intuitive bekommt nun Konkurrenz aus Europa, wie z. B. die Firmen Avatera medical, Distal Motion und CMR Surgical eindrucksvoll gezeigt haben. Die roboter-assistierte Chirurgie steht erst am Anfang!

Das Kieler Symposium war ein Experiment, welches den Nerv der Zeit, aber auch der teilnehmenden Ärzte, der Studenten und des Fachpublikums getroffen hat. So kann, so soll es weitergehen.
 

KURT-SEMM-ZENTRUM für laparoskopische und roboterassistierte Chirurgie am UKSH
www.uksh.de/kurtsemmzentrum

Für Rückfragen: Almut Kalz
Koordinatorin Kurt-Semm-Zentrum
almut.kalz@uksh.de
Tel. 0431-500-24807

Die minimal invasive Technik, auch AMIS genannt, ist in der Hüftchirurgie gekennzeichnet durch einen speziellen vorderen Zugang zum Hüftgelenk, um künstliche Hüftgelenke besonders schonend einzusetzen. Dabei wird im Gegensatz zum sonst üblichen Vorgehen das Hüftgelenk nicht von der Seite oder hinten operiert, sondern eben von vorne (anterior). Die Operation wird in Rückenlage auf einem Operationstisch mit Hilfe eines speziellen Beinhalters (Extensionstisch) durchgeführt. Bei dieser Technik erfolgt ein ca. 8–10 cm langer Hautschnitt vorne seitlich über dem Hüftgelenk. Die Muskeln werden nur stumpf zur Seite geschoben und nicht durchtrennt oder eingekerbt. Nach Darstellung der Hüftkapsel wird diese eröffnet, aber nicht entfernt. Der Hüftkopf wird dann entfernt. Es werden spezielle Haken eingesetzt, die das Risiko für Nervenquetschungen und -schädigungen minimieren. Der Operateur hat trotz des kleinen Zugangs eine hervorragende Übersicht über die Hüftpfanne und kann das Pfannenimplantat und auch die Schaftkomponente in der Regel ohne die Mithilfe von Assistenten einsetzen. Abschließend kann die Kapsel wieder verschlossen werden.

Die Vorteile gegenüber der herkömmlichen Operation sind frappierend. So kommt es zum einen durch die Muskel- und gewebeschonende Operationstechnik zu einem geringeren Blutverlust und das Risiko für Nervenschäden ist deutlich reduziert. Darüber hinaus kann durch das Vermeiden von Beschädigungen der seitlichen Muskulatur das Risiko für ein Hinken nach der Operation gesenkt werden und die Frühmobilisation nach dem Eingriff wird deutlich erleichtert. Auch besteht wegen der erhaltenen Gelenkkapsel eine geringere Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem Auskugeln (Luxation) des künstlichen Hüftgelenkes kommt.

Für die minimal-invasive Technik am Hüftgelenk kann mittlerweile nach mehr als 150.000 Operationen weltweit eine hohe Sicherheit mit niedriger Komplikationsrate nachgewiesen werden. In dieser Technik erfahrene Operateure verwenden die Methode auch bei komplexen Fehlstellungen, da trotz schonendem Zugang eine gute Übersicht erreicht wird. Insbesondere eine Erweiterung des Zugangs beckenseitig ist möglich, weshalb die minimal-invasive Technik zunehmend auch bei Wechseloperationen der Pfanne eingesetzt wird. Nachteilig ist bei der dieser Technik, dass eine Erweiterung des Zugangs entlang des Oberschenkels nicht im gleichen Muskelintervall möglich ist. Zudem ist es über den vorderen Zugang schwieriger langstielige Oberschenkelimplantate einzubringen, weshalb bei Wechseloperationen des Oberschenkelschaftes dann oft andere Zugänge verwendet werden müssen. Da es sich bei diesem Verfahren um eine spezielle Operationstechnik handelt ist eine längere Schulung der Operateure notwendig, um vermehrte Komplikationen während der ersten Operationen zu vermeiden.
 

Medizinisches Versorgungszentrum - MVZ Chirurgie Kiel
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Tel. 0431 - 720 64 40
www.chirurgie-kiel.de

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