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Home Sonderthemen Gesundheit Arbeitsalltag im Gefäßzentrum in Zeiten von Corona: Alexander Selch und Prof. Thomas Jahnke im Interview
13:04 20.07.2020
Alexander Selch Leiter der Gefäßchirurgie Foto: Geschäftsfotos  

Seit 2018 ist das Gefäßzentrum am Friedrich-Ebert Krankenhaus in Neumünster, bestehend aus der Gefäßchirurgie unter der Leitung von Alexander Selch und der Radiologische Klinik unter der Leitung von Prof. Thomas Jahnke, zertifiziert. Die Gefäßchirurgie deckt das gesamte Spektrum gefäßchirurgische Operationen mit Ausnahme offener Eingriffe im Brustkorb ab. Im vergangenen Jahr wurden 1300 Operationen bei 1300 stationären und etwa 3000 ambulanten Patienten durchgeführt. In der Radiologischen Klinik wurden im gleichen Zeitraum über 60.000 Untersuchungen, die das gesamte Spektrum der medizinischen Bildgebung umfasst, durchgeführt. Bei den Interventionen können kathetergestützte Behandlungen in allen Gefäßregionen des Körpers angeboten werden.

Wie sieht der Arbeitsalltag in Ihrem Gefäßzentrum aus?

Alexander Selch: Die überwiegende Mehrheit unserer Patienten kommt über die gefäßchirurgische Sprechstunde voruntersucht in unsere stationäre Behandlung, mehr als die Hälfte der Gefäßpatienten bleibt ambulant. Über niedergelassene Kollegen und über die chirurgische Notaufnahme kommen weitere Patienten in unsere stationäre Behandlung.

Prof. Jahnke: Alle Patienten erhalten umgehend eine maßgeschneiderte Diagnostik, aus der wir dann gemeinsam eine Behandlungsstrategie für unsere Patienten entwickeln. Dazu dienen unsere täglichen Fallkonferenzen, in speziellen Fällen werden aber auch gemeinsame Entscheidungen direkt bei der Untersuchung getroffen.

Alexander Selch: Neben diesen täglichen Fallkonferenzen halten wir auch interdisziplinäre Konferenzen zu bestimmten Erkrankungen wie Schlaganfälle oder Aortenaneurysmen ab. Innerhalb von maximal 24 Stunden können wir so jedem Patienten eine optimale Therapie anbieten, so dass viele unserer Patienten das Krankenhaus nach 1-2 Tagen schon wieder verlassen können.

Prof. Thomas Jahnke Leiter der Radiologischen Klinik Foto: Geschäftsfotos
Prof. Thomas Jahnke Leiter der Radiologischen Klinik Foto: Geschäftsfotos

Und in Zeiten von Corona?

Beide: Hat sich an unseren Abläufen und Entscheidungsprozessen nichts geändert, das Gefäßzentrum hat den Stresstest bislang bestens bestanden.

Alexander Selch: Seit Anfang März haben wir aufschiebbare Eingriffe ausgesetzt, die betroffenen Patienten haben mit großem Verständnis reagiert. Alle Patienten mit bedrohlichen Gefäßerkrankungen und Schmerzen konnten in gewohnter Qualität weiterhin versorgt werden. Dank einer intelligenten und vorausschauenden Strategie im Umgang mit Coronapatienten konnten notwendige Operationen und Behandlungen durchgängig weitergeführt werden. Mittlerweile haben wir damit begonnenen, nach und nach die bislang aufgeschobenen Operationen abzuarbeiten.

Prof. Jahnke: Die Anzahl der Beteiligten an den Besprechungen haben wir drastisch reduziert, meistens waren nur noch 2-3 Kollegen direkt beteiligt, vieles konnte aber auch telefonisch geregelt werden. Zu kurz kommt in Zeiten von Corona die Ausbildung, die wir etwas reduzieren mussten.

Wann glauben Sie wird wieder ein Regelbetrieb stattfinden?

Prof. Jahnke: Auf diese Frage können wir keine Antwort geben. Wir rechnen aber damit, dass uns das Corona-Problem noch lange begleiten wird. Für den zukünftigen Klinikalltag wird es entscheidend sein, die richtigen Schlüsse aus den jetzigen Erfahrungen zu ziehen. Bei niedrigen Fallzahlen und wenigen Beatmungspatienten sollte es uns gelingen, einen geordneten Regelbetrieb neben einer räumlich und personell strikt getrennten Versorgung von Corona-Patienten zu bewerkstelligen. Dieses optimistische Szenario steht und fällt natürlich mit der erforderlichen Disziplin von uns allen!

Wie sehen Sie die weitere Entwicklung an Ihrem Krankenhaus?

Prof. Jahnke: Im nächsten Jahr steht die Rezertifizierung des Gefäßzentrums an, die wollen wir natürlich erfolgreich bestehen. Im Übrigen stellt das Gefäßzentrum in der jetzigen Form nur einen Zwischenschritt hin zur Etablierung eines Herz-Kreislaufzentrums unter Mitwirkung der Kardiologie unter der Leitung von Prof. Schuchert und auch der Neurologie dar. In Schleswig-Holstein gibt es nur ganz wenige Angiologen, diese Lücke können wir vielleicht in Kürze durch die Verpflichtung eines neuen Kollegen schließen!

Alexander Selch: Unser aller Ziel ist es, den Patienten mit Gefäßerkrankungen eine umfassende Beratung und Behandlung, im Idealfall sogar noch eine Prävention, anbieten zu können. Wenn es uns gelänge, dass Patienten in Schleswig-Holstein mit Gefäßerkrankungen an das Friedrich-Ebert Krankenhaus in Neumünster denken, hätten wir sehr viel erreicht!

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