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10:51 12.03.2021
Prof. Dr. Julia Holle

Antworten auf häufig gestellte Fragen. Von Prof. Dr. Julia Holle und Prof. Dr. Frank Moosig vom Rheumazentrum Schleswig-Holstein Mitte

Trotz Corona in die rheumatologische Praxis?

Die Statistiken zeigen: Viele Patienten meiden derzeit Arztpraxen und Krankenhäuser aus Sorge, sie könnten sich dort infizieren. Auch die Folgen zeichnen sich beginnend bereits ab: Diagnosen werden verspätet gestellt, Krankheiten erst in weiter fortgeschrittenen Stadien erkannt, Therapien verzögert. Wie sind die diesbezüglichen Empfehlungen für die rheumatologische Versorgung? Die Fachgesellschaft der Rheumatologen, die DGRh, rät dazu, sowohl die Erstdiagnostik als auch regelmäßige Kontrollen wie gewohnt durchzuführen. Man nimmt an, dass die Schäden durch verspätete Diagnosen und Therapie oder durch ausfallende Kontrollen sehr viel größer wären als das Risiko, die Praxen zu besuchen.

In den Praxen sind umfangreiche Schutzmaßnahmen vorgesehen: Selbstverständlich werden die AHA-Regeln eingehalten. Alle tragen Masken, achten auf Desinfektion und auf das Lüften. Entsprechend der nationalen Teststrategie werden Ärzte und Mitarbeiter regelmäßig mittels Schnelltest überprüft. Das Wichtigste: Durch gute Organisation und Termintreue lassen sich Wartezeiten und damit Ansammlungen von Menschen vermeiden.

Was kann ich als Patient beim Praxisbesuch beitragen?

• Sofern Sie Zeichen einer Infektion an sich feststellen (u.a. Fieber) oder sich infiziert haben könnten (Kontakt zu nachgewiesenen Fällen), melden Sie sich telefonisch. Vermeiden Sie, die Praxis zu betreten. Der Termin wird dann i.d.R. verschoben.
• Kommen Sie pünktlich zum Termin (10 Minuten vor der Zeit), aber auch nicht sehr viel zu früh, sodass Sie nicht 30 Minuten im Wartezimmer sitzen müssen. Aufgrund unserer Praxisorganisation haben Sie bei uns praktisch keine Wartezeiten.
• Verzichten Sie darauf, Begleitpersonen mitzubringen. Nur unbedingt notwendige Begleitpersonen, d.h. wenn der Patient selbst dement ist oder eine Sprachbarriere hat, sind weiterhin möglich.
• Beachten Sie auch in der Praxis die AHA-Regeln.
• Nutzen Sie die angebotenen Desinfektionsmittel und Masken.

Sind Rheumapatienten besonders gefährdet?

Bisherige Daten deuten darauf hin, dass allein das Vorliegen einer rheumatischen Erkrankung nicht mit einem erhöhten Risiko für Infektion oder schweren Verlauf verbunden ist. Gleichwohl kann bei individuellen Patienten, insbesondere mit schweren Systemerkrankungen, z.B. der Systemischen Sklerose, ein erhöhtes Risiko nicht ausgeschlossen werden. In besonders gravierenden Fällen kann dies auch eine höhere Impfpriorität begründen.

Prof. Dr. Frank Moosig FOTOS: WWW.STEVENHABERLAND.COM
Prof. Dr. Frank Moosig FOTOS: WWW.STEVENHABERLAND.COM

Rheumamedikamente lieber weglassen?

Auf keinen Fall! Den bisher verfügbaren Daten zufolge geht von den meisten Medikamenten, die in der Therapie rheumatischer Erkrankungen genutzt werden, keine wesentliche zusätzliche Gefahr aus. Eine wichtige Ausnahme bilden aber die kortisonhaltigen Präparate, meistens „Prednisolon“. Bei höherer Dosierung, insbesondere über 10 mg pro Tag, scheint das Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 gesteigert. Werden aber die Dauermedikamente aus Furcht vor der Infektion abgesetzt oder reduziert, so droht ein Schub der Rheumakrankheit, der dann „Prednisolon“ erforderlich macht. Im Zweifelsfall sollte immer die Rücksprache mit dem Rheumatologen gesucht werden.

Sollen sich Rheumapatienten impfen lassen?

Die DGRh empfiehlt die Impfung gegen SARS-CoV2 (https://dgrh.de/Start/Wissenschaft/Forschung/COVID-19.html). Zwischenzeitliche Meldungen, diese sei für Rheumapatienten besonders gefährlich, entbehren einer wissenschaftlichen Grundlage. Bei bestimmten Medikamenten, wie z.B. bei dem Antikörper „Rituximab“, sollte eine überlegte Bestimmung des besten Impfzeitpunktes zusammen mit dem Arzt erfolgen. Bei ausgewählten Patienten wäre eine kurze Therapiepause rund um die Impfung zu erwägen. Diese könnte den Erfolg vergrößern. Hierzu sollte aber immer eine Abstimmung mit dem Rheumatologen erfolgen.

Rheumazentrum Schleswig-Holstein Mitte
Prof. Dr. Julia Holle und Prof. Dr. Frank Moosig
Kuhberg 5a–7
24534 Neumünster
Tel 04321.60223-0
www.rheuma-sh.de
    

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