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Home Sonderthemen Gesundheit Rheuma? – Ein weites Feld.
16:48 14.10.2020
Prof. Frank Moosig vom Rheumazentrum Schleswig-Holstein Mitte wird seit Jahren von Focus und Guter Rat zu den deutschlandweiten Top-Medizinern gezählt.

Obwohl rheumatische Erkrankungen insgesamt häufig sind, ist das allgemeine Verständnis gering und oft von Missverständnissen geprägt.

Zu aller erst: „Rheuma“ ist keine Krankheit, sondern ein Oberbegriff, der viele sehr unterschiedliche Konditionen umfasst.

Oft ist mit „Rheuma“ eine Rheumatoide Arthritis gemeint, die durch Gelenkzerstörungen in Folge von Entzündungen gekennzeichnet ist. Es sind hauptsächlich die Hand- und Fingergelenke symmetrisch betroffen. Wie alle rheumatischen Erkrankungen kann die Rheumatoide Arthritis auch andere Organe, z.B. die Lunge betreffen.

Die Art der Gelenkentzündung allein reicht zur Abgrenzung von anderen Krankheitsbildern aber nicht aus. So konnten bei den Kollagenosen, einer ganzen Gruppe rheumatischer Erkrankungen, ebenfalls Entzündungen an Hand- und Fingergelenken vorhanden sein. Zusätzlich treten, je nach konkreter Krankheit, weitere Symptome hinzu: beim Systemischen Lupus Erythematodes sind dies oft gefährliche Entzündungen der Nieren, des Herzbeutels und des Rippenfells, der Haut oder sogar des Gehirns. Bei den Myositiden steht die Zerstörung von Muskelgewebe mit Muskelschmerz und -schwäche im Vordergrund. Das Sjögren-Syndrom geht mit einer Austrocknung von Schleimhäuten, vor allem der Augen, durch Drüsenentzündung einher. Bei der Systemischen Sklerose treten eine starke Verdickung und Versteifung der Haut auf. Oftmals kommt es auch zu einer bedrohlichen Vernarbung der Lungen.

Eine weitere wichtige Gruppe rheumatischer Erkrankungen sind die Vaskulitiden. Krankheiten bei denen Blutgefäße vom Immunsystem angegriffen werden. Bei der häufigsten Form, der Riesenzellarteriitis, sind hiervon die großen Arterien betroffen. Diese Krankheit ist besonders gefürchtet, weil sie zu einer raschen Erblindung führen kann. Warnzeichen sind starke Kopfschmerzen, oftmals der Schläfenregion.

Prof. Julia Holle und Prof. Frank Moosig vom Rheumazentrum Schleswig-Holstein Mitte wird seit Jahren von Focus und Guter Rat zu den deutschlandweiten Top-Medizinern gezählt.
Prof. Julia Holle und Prof. Frank Moosig vom Rheumazentrum Schleswig-Holstein Mitte wird seit Jahren von Focus und Guter Rat zu den deutschlandweiten Top-Medizinern gezählt.

Die Vielzahl rheumatischer Krankheiten muss u.a. von Verschleißerkrankungen, wie der Arthrose, und auch Schmerzerkrankungen, wie dem Fibromyalgiesyndrom unterschieden werden. Diese bedürfen auch einer gänzlich anderen Therapie als die rheumatischen Erkrankungen.

Die diagnostische Unterscheidung und Einordung wird im ersten Schritt vom Hausarzt, ggf. auch vom Orthopäden geleistet. Spätestens bei Anhaltspunkten für eine entzündliche Erkrankung sollte ein internistischer Rheumatologe hinzugezogen werden. Neben einer eingehenden Befragung und körperlichen Untersuchung wird der Rheumatologe in den meisten Fällen eine spezielle Labordiagnostik und eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) durchführen.

Bei Nachweis einer rheumatischen Erkrankung wird zumeist eine medikamentöse Therapie erforderlich. Erfreulicherweise sind gerade auf diesem Gebiet in den letzten Jahren dramatische Fortschritte gemacht worden. So stehen neben älteren und bewährten Immunsuppressiva (abwehrschwächende Medikamente) moderne Eiweißmedikamente (sog. Biologika) zur Verfügung. Diese greifen zielgerichtet in das fehlgesteuerte Entzündungsgeschehen ein und werden als Spritze oder Infusion unter Überwachung verabreicht. Die neueste Generation von Medikamenten ist ebenfalls zielgerichtet und kann als Tablette eingesetzt werden. Die Auswahl der Therapie richtet sich nach Diagnose, Krankheitsschwere und Ausdehnung und sollte sich, soweit verfügbar, an gültigen Leitlinien orientieren.

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