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01:05 08.01.2022
Prof. Dr. Julia Holle und Prof. Dr. Frank Moosig sind auf die Diagnostik und Therapie rheumatischer Erkrankungen spezialisiert. Das Rheumazentrum Schleswig-Holstein Mitte ist mit Standorten in Neumünster sowie im Privatärztlichen Zentrum in Kiel vertreten. FOTOS: WWW.STEVENHABERLAND.COM

Das gängige Vorurteil: Rheuma ist, wenn in hohem Alter die Gelenke schmerzen oder sich sichtbar verändern. Zwar können dies tatsächlich Anzeichen einer rheumatischen Erkrankung sein, sehr viel häufiger aber liegt in diesen Fällen eine Arthrose vor. Das Krankheitsbild der Arthrose wird häufig, mechanistisch nicht ganz zutreffend, als Gelenkverschleiß beschrieben und wird überwiegend orthopädisch behandelt. Das bekannteste Krankheitsbild der Rheumatologie, die Rheumatoide Arthritis, unterscheidet sich hiervon durch den entzündlichen Charakter der Beschwerden und oftmals auch durch die Verteilung der betroffenen Gelenke. Die Rheumatoide Arthritis beginnt zumeist im mittleren Erwachsenenalter, kann aber auch schon bei Kindern und Jugendlichen auftreten. Auch dies ein Unterschied zur Arthrose. Während hierbei die Zuordnung zur Rheumatologie noch offenkundig ist, werden beispielsweise Kopfschmerzen, Sehstörungen, Asthma, trockene Augen oder auch Blutbildveränderungen zumeist nicht mit „Rheuma“ in Verbindung gebracht. Was also haben diese mit der Rheumatologie zu tun? Im Weiteren stellen wir knapp beispielhaft drei rheumatische Krankheitsbilder vor, deren Leitsymptome den Laien – und gelegentlich sogar auch den Mediziner – zunächst nicht an die Rheumatologie denken lassen.

Riesenzellarteriitis

Eine Krankheit, bei der oft starke Kopfschmerzen im Vordergrund stehen, ist die Riesenzellarteriitis. Dabei kommt es zu einer Entzündung der größeren Blutgefäße, medizinisch Vaskulitis genannt. Da oftmals die Arterien des Kopfes betroffen sind, entstehen starke, zumeist an Schläfen betonte Kopfschmerzen. Auch die Nackenregion kann betroffen sein. Sofern bei solchen Symptomen im Blut eine deutliche Entzündungsreaktion nachzuweisen ist, sollte der Verdacht auf eine Gefäßentzündung gelenkt werden. Bei ungebremstem Verlauf besteht das Risiko einer Beteiligung der Augen. Dann kann es schlimmstenfalls zu einer Erblindung kommen. Vorboten sind unter Umständen kurz anhaltende Ausfälle im Gesichtsfeld. Die Riesenzellarteriitis stellt daher einen der Notfälle unter den rheumatischen Erkrankungen dar und erfordert schnelles Handeln.

Eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis (früher: Churg-Strauß-Syndrom)

Wenn bei Patienten mit einem Asthma bronchiale eine starke Vermehrung bestimmter weißer Blutzellen, der Eosinophilen, im Blut auftritt, kann dies ein Vorstadium eines schweren Krankheitsbildes, der Eosinophilen Granulomatose mit Polyangiitis (kurz: EGPA), sein. Dabei kommt es zu einer Entzündung kleiner Blutgefäße, also wiederum zu einer Vaskulitis. Außerdem können die Eosinophilen Blutzellen in alle möglichen Gewebe eindringen und dort Schaden anrichten. Die Folgen können vielfältig sein: Herzmuskelschwäche und Rhythmusstörungen, schmerzhafte Mißempfindungen bis hin zu Lähmungen, Luftnot, Bauchschmerzen, Durchfall und Hautausschläge. Je nach Ausprägung stellt auch die EGPA einen Notfall in der Rheumatologie dar.

Sjögren Syndrom

Beim Sjögren Syndrom kommt es durch Entzündungen zur Zerstörung von Drüsengewebe. Betroffen sind oft zuerst die Tränendrüsen mit der Folge trockener, paradoxerweise dabei aber oft auch tränender Augen. Der Befall der Speicheldrüsen kann zu einem trockenen Mund, z.T. mit Problemen beim Essen und vermehrter Karies führen. Im Prinzip können vom Sjögren Syndrom zahlreiche weitere Organe betroffen sein.

Die Gemeinsamkeit dieser Krankheitsbilder ist eine Fehlregulation des Immunsystems, das sich so gegen Ziele im eigenen Körper richtet. Meistens lässt sich dies durch Untersuchungen des Blutes im Speziallabor nachweisen. Ein weiteres gemeinsames Kennzeichen solcher Erkrankungen sind die oftmals vorhandenen Gelenk- und Muskelbeschwerden. Die Abgrenzung der zahlreichen Krankheitsbilder kann schwierig sein und setzt breite internistische Kenntnisse und Erfahrung voraus.

Die Therapie zielt sowohl auf eine Linderung der Symptome als auch auf gezielte Eingriffe in das Immunsystem ab. Dafür kommen heutzutage sowohl bewährte ältere Arzneimittel als auch moderne Präzisionsmedikamente zum Einsatz. Die Erfolge konnten über die letzten Jahrzehnte damit dramatisch verbessert werden.

Rheumazentrum Schleswig-Holstein Mitte Prof. Dr. Julia Holle und Prof. Dr. Frank Moosig
Kuhberg 5a–7
24534 Neumünster
Tel 04321/60223-0
Sophienblatt 13–17
24103 Kiel
Tel. 0431/7200 4760
www.rheuma-sh.de
   

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